Wie du Werte definierst, die deine Marke stärken

Werte definieren – da kommen doch diese immer gleichen Phrasen raus, die jedes größere Unternehmen auf seiner Website stehen hat: „Unser Team ist uns wichtig! Wir geben uns nur mit dem Besten zufrieden! Wir leben flache Hierarchien!“ Das klingt ganz schön abschreckend, weil es in vielen Fällen der kleinste gemeinsame Nenner in einem langen Prozess herausgestellt hat. Je größer das Unternehmen desto kleiner der gemeinsame Nenner. Ich habe aber auch schon erlebt, dass bei der Suche nach Werten die Angst durchschlägt sich angreifbar zu machen. Und so stehen am Ende Begriffe auf dem Flipchart / der Website, die im besten Fall zwar zutreffend, aber leider auch völlig nichtssagend sind.

Die gute Nachricht: Als Einzelunternehmer*in hast du die einfache Möglichkeit, das besser zu machen. Du musst dich schließlich nur mit dir selber abstimmen und kannst Werte dazu nutzen, dein Markenprofil zu schärfen und deine Positionierung zu stärken. Ein bisschen Mut brauchst du trotzdem dazu.

Aber damit wir über das Gleiche reden, möchte ich zunächst die Frage klären: 

Was sind Werte für Personal Brands?

Werte sind Eigenschaften oder Leitlinien, die dein unternehmerisches Handeln prägen. Sie beschreiben deine Haltung, mit der du unterwegs bist. Sie zeigen auf, wofür du stehst, wie du handelst und was bei dir gar nicht geht. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil deiner guten und authentischen Positionierung.

Geldverdienen spielt so ziemlich in jedem Unternehmen eine zentrale Rolle. In der Regel ist dieses Anliegen der größte „Wert“ (im Sinne einer Leitlinie) eines Unternehmens. Soweit so gut. Aber das allein trägt nicht gerade zur Profilierung des Unternehmens bei. Die entscheidende Frage ist also:

Was – außer Geld – hat noch einen Wert für dein Unternehmen, für deine Marke?

Die Definition von Werten für deine Marke zielt also darauf ab, was für dich als Personal Brand wertvoll in deiner Arbeit ist.

Bitte keine Alibi-Werte!

Bitte vermeide typische Alibi-Werte wie die oben genannten „Team ist wichtig, Topqualität, usw…“ Auch Ehrlichkeit“ würde ich eher als Selbstverständlichkeit einstufen und weniger als herausragendes Merkmal einer Marke (Es sei denn du bist Hütli-Spieler…). Wenn du Ehrlichkeit als besonderen Wert herausstellen musst, liegt dein Problem vermutlich woanders als darin, die passenden Werte für deine Unternehmung zu finden. Falls du doch eines dieser typischen Werte für dich benennst, solltest du sie in besonderer Weise sichtbar machen, „beweisen“ können. Wenn in deiner Branche z.B. Transparenz ein Fremdwort ist (z.B. Provisionen bei Finanzdienstleistungen), hast du die Chance durch echte und nachvollziehbare Transparenz ein echtes Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.

Wie helfen definierte Werte deiner Marke?

Jeder Mensch hat bewusst oder unbewusst Werte, die sein Leben und Handeln prägen. Nur die meisten Menschen und Unternehmer*innen sind sich dieser Werte nicht bewusst. Dabei lohnt es sich, den eigenen Unternehmenswerten einmal nachzuspüren. Denn formulierte Werte helfen dir in zweifacher Hinsicht:

A) Stärkung deiner Markenidentität als Unternehmer*in

Werte sind selbstgewählte Entscheidungsleitplanken für dein Handeln. (Ja, man kann auch mal über eine Leitplanke drüber klettern. Nur wenn man das ständig tut, sollte man den Sinn seiner Leitplanke nochmal überdenken.) Wer seine Werte aktiv formuliert, sorgt für Klarheit im eigenen Kopf. Und ein geklärtes Selbstverständnis als Personal Brand ist eine gute Voraussetzung, um auch mit Klarheit nach außen zu gehen.

Deine Werte helfen dir bei wichtigen Entscheidungen die richtige zu treffen: Beauftrage ich x für mein Projekt? Gehe ich eine Partnerschaft mit y ein? Bekommt z ein Angebot von mir für eine Zusammenarbeit?

Manchmal (hoffentlich) hast du vielleicht schon ein Bauchgefühl, das in eine Richtung zeigt. Aber du bist dir unsicher, ob du darauf hören sollst oder nicht? Gleiche deine Optionen mit deinen Markenwerten ab. Zeigt sich eine Tendenz? Oder kannst du bestimmte Möglichkeiten ausschließen?

B) Stärkung deiner Kundenbeziehungen:

Werte schaffen Vertrauen und beeinflussen Entscheidungen – auch bei den Menschen, die dich / deine Marke wahrnehmen: „Will ich / wollen wir mit ihm/ihr zusammenarbeiten?“.

Eine gute Positionierung allein über dein Angebot oder Produkt ist heute in den wenigsten Fällen möglich. Es gibt nur ganz selten echte Alleinstellungsmerkmale im eigentlichen Sinn. Wenn wir ehrlich sind: viele Angebote sind bezogen auf die Leistung völlig austauschbar. Spätestens, wenn Angebot und Preis alleine nicht mehr weiterhelfen bei einer Kaufentscheidung, sind die Werte, die du transportierst, ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Entscheidung deiner Zielgruppe.

An dem Punkt helfen dir klar formulierte Werte! Denn sie zeigen neben dem WAS (deine Leistung), auch das WIE. Sie machen dein Handeln nachvollziehbar und transparent. Werte geben deiner Marke zusätzliches Profil und zeigen, was du anders machst als andere. Wer klare Werte für seine Marke formulieren kann, sichert sich also einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil.

Achte darauf, dass deine Werte nicht nur für dich persönlich relevant sind, sondern auch für die Menschen, mit denen du zusammenarbeitest oder arbeiten möchtest.

Beispiele für deine Unternehmenswerte

Damit du eine bessere Vorstellung davon bekommst, was Werte für deine Unternehmung sein können, habe ich dir eine Liste mit Beispielen zusammengestellt. Du siehst, dass die Werte für sich genommen oft noch wenig Aussagekraft haben. Deswegen ist es hilfreich einen erklärenden Satz zu ergänzen, der deine Werte erklärt und mit Leben füllt.

Natürlich hat die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Lass dich inspirieren und finde ergänze, was für dich wichtig ist!

  • Schnelle Umsetzung – Ich plane meine Kapazitäten sorgfältig und sage nur zu, was ich einhalten kann. Ich häufe keine Aufträge an.
  • Flexibilität – Ich bin 24/7 ansprechbar für meine Kund*innen, mache Termine auch abends und am Wochenende.
  • Langfristige Kundenbeziehungen – Ich investiere in gute Beziehungen, weil ich meine Kund*innen langfristig begleiten will.
  • Keine Rabattschlachten – Meine Leistung hat ihren Preis oder ich arbeite „pro bono“. Meine Preise sind nicht verhandelbar.
  • Arbeiten auf Augenhöhe – Gegenseitige Wertschätzung heißt für mich: Ich kenne meine eigenen Kompetenzen und ich schätze die Expertise meiner Kunden.
  • Gemeinsam statt Alleingang – Ich erarbeite meine Ergebnisse in enger Abstimmung mit dem*r Kund*in. Gemeinsam versuchen wir die beste Lösung zu finden.
  • Nachhaltigkeit – Ich achte auf meinen Ressourcen-Verbrauch und treffe nachhaltige Kaufentscheidungen.
  • Keine Strategie ohne Analyse – Den richtigen Weg findest du nur, wenn du weißt, wo du gerade stehst. Deswegen steht am Anfang jeder Strategie eine Analyse des IST-Zustands.
  • Persönlicher Kontakt – Ich erstelle keine Angebote, ohne die Menschen zu kennenzulernen, mit denen ich zusammenarbeiten werde.
  • Verschwiegenheit – Ich spreche mit niemandem über vertrauliche Informationen meiner Kund*innen.

Private vs. berufliche Werte

Sind meine „privaten Werte“ die gleichen wie die meiner Marke?

Bei Einzelunternehmer*innen gibt es die Besonderheit, dass die Werte deines Unternehmens und deine persönlichen Werte oftmals eine hohe Schnittmenge haben. Denn Person ist und bleibt die gleiche.

Müssen sie deswegen komplett deckungsgleich sein?

Nein, als Unternehmer*in übernimmst du eine bestimmte Rolle. Es ist ein Ausschnitt deines Lebens – aber nicht dein ganzes Leben. Deine Unternehmenswerte zeigen einen bestimmten Ausschnitt von dir, der für dein Business und deine Kundenbeziehungen wichtig ist.

Falls du den Eindruck hast, dass die erarbeiteten Werte deiner Marke sehr stark von deinen persönlichen abweichen, solltest du prüfen: Entweder steht lediglich ein spezieller Teil deiner Werte im Fokus (das ist ok) oder du versuchst Werte zu vertreten, die du theoretisch gut findest, aber die nicht wirklich zu dir gehören. Das kann schwierig werden, denn es kann furchtbar anstrengend sein, sich zu verstellen. Ich bin ein großer Fan davon sich keine Werte auszudenken, sondern die Werte zu suchen, die für dein Business die größte Relevanz haben.

Praxistipp: Wie du die richtigen Werte für deine Marke definierst und sichtbar machst!

 

 1. Schritt: Werte definieren – Wie finde ich meine eigenen Markenwerte heraus?

Was ist dir bei deiner Arbeit wichtig? In welchen Situationen macht dir Arbeit besonders viel Spaß? Unter welchen Umständen kommst du in den Flow? Welche Parameter müssen stimmen?

  1. Sammeln: Notiere die alle Werte, die für dich und deine Unternehmung Bedeutung haben. Du kannst ruhig eine lange Liste machen.
  2. Priorisieren: Im zweiten Schritt fängst du an zu priorisieren. Welche sind die 3 wichtigsten Werte für dich? (2-4 sind auch ok)
  3. Validieren: Mach den Check, ob die Werte die passenden für dich sind, indem du dir zwei Fragen zu jedem Wert stellst:
    a) Ist der Wert für dich wichtig?
    b) Ist der Wert für deine Zielgruppe relevant? Bietet er einen Anknüpfungspunkt, der dabei hilft sich für dich zu entscheiden? (beim Wert „max. Gewinnorientierung“ wäre das z.B. eher nicht der Fall.)

Wenn du deine Werte herausfinden willst, hilft es dir natürlich, wenn du schon ein paar Aufträge durchgeführt und verschiedene Erfahrungen sammeln konntest. Wenn du gar nicht weiterkommst, denk an andere Situation in deinem Leben: bisherige Jobs, deine Hobbies, Erlebnisse mit anderen Menschen, vielleicht hast du dich schon irgendwo ehrenamtlich engagiert?

Ein weiterer Tipp ist sich den eigenen Werten durch Abgrenzung zu nähern: Welches Verhalten kommt für dich gar nicht in Frage? Welchen umgekehrten, positiven Wert kannst du darauf formulieren?

Zusätzlich kannst du andere Menschen aus deinem Umfeld befragen, die dich in deinem Arbeitskontext kennen. Welche Werte schreiben sie dir und deiner Arbeit zu? Deckt sich diese Außenwahrnehmung mit dem, was du selbst für dich formuliert hast?

2. Schritt: Werte sichtbar machen – Wie lebst du deine Werte?

Im ersten Schritt hast du deine persönlichen Werte für deine Marke herausgefunden. Du hast nun Klarheit darüber, was in deiner Unternehmung – außer Geld – WERTvoll ist. Nun kommt der zweite Schritt: deine Werte dürfen auch für andere sichtbar werden. Denn nur so entfalten deine Werte ihre ganze Wirkung und stärken deine Markenauftritt. Außerdem stellst du sicher, dass du dir keine gut klingenden, aber hohlen Phrasen als Werte ausgedacht hast.

  1. Also überleg dir einmal: wo spielen deine Werte konkret deine Arbeitsweise oder deine Entscheidungen eine Rolle? Wo werden sie nach außen sichtbar?
  2. Sollte dir zu einem Wert gar nichts einfallen, überleg nochmal kritisch, ob es wirklich DEIN Wert ist.
  3. Schreib dir deine Werte auf Post-ist und häng sie an deinen Monitor / Bildschirm-Hintergrund / Wand / Tattoo ( da solltest du dir sehr sicher sein, dass es langfristig die richtigen sind…). In jedem Fall: mach sie dir selbst eine Woche lang sichtbar. Anschließend kannst du reflektieren, ob du mit diesen Werten losgehst.

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